Familienrecht
Anerkennung ausländischer Scheidungsurteile in der Türkei: Der Verwaltungsweg und die erforderlichen Unterlagen
Das Verfahren zur Eintragung ausländischer Scheidungsurteile in das türkische Personenstandsregister auf administrativem Weg (ohne gerichtliches Verfahren), unter Darstellung der erforderlichen Unterlagen, der zuständigen Behörden sowie der rechtlichen Wirkungen. (Gesetz Nr. 5490, Art. 27/A)

Registrierung ausländischer Scheidungsurteile in der Türkei: Der administrative Weg und seine rechtliche Bedeutung
Für türkische Staatsbürger ist die Sicherstellung, dass im Ausland ergangene Urteile über Scheidung, Nichtigerklärung oder gerichtliche Aufhebung einer Ehe in der Republik Türkei Rechtsgültigkeit erlangen, von entscheidender Bedeutung, um ihren Personenstand zu formalisieren, die Personenstandsregister zu aktualisieren und wesentliche rechtliche Angelegenheiten wie Erbschaft und Abstammung zu regeln.
In der Vergangenheit wurde die Anerkennung solcher von ausländischen Gerichten erlassenen Urteile ausschließlich durch eine Anerkennungs- und Vollstreckungsklage vor den zuständigen Familiengerichten in der Türkei gemäß den Bestimmungen des türkischen Gesetzes über das internationale Privat- und Zivilprozessrecht (Gesetz Nr. 5718, oder IPRG – MÖHUK) erwirkt. Dieses gerichtliche Verfahren war oft zeitaufwendig und kostenintensiv.
Im Jahr 2017 wurde jedoch mit der Hinzufügung von Artikel 27/A zum türkischen Personenstandsgesetz (Gesetz Nr. 5490, oder PStG – NHY) eine wesentliche Änderung eingeführt. Diese Bestimmung schuf einen administrativen Weg zur direkten Eintragung ausländischer gerichtlicher oder behördlicher Entscheidungen in das Personenstandsregister ohne die Notwendigkeit einer gerichtlichen Klage, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Dieser Artikel, der sich sowohl an Juristen als auch an potenzielle Mandanten richtet, erläutert detailliert die gesetzliche Grundlage, die Antragsvoraussetzungen und den verfahrensrechtlichen Rahmen dieses pragmatischen Verwaltungsverfahrens zur Registrierung.
Rechtliche Grundlage und Umfang der Registrierung
Die Verfahren und Grundsätze für die Registrierung ausländischer Entscheidungen über die Auflösung einer Ehe sind in der Verordnung über die Registrierung von Entscheidungen ausländischer gerichtlicher oder behördlicher Organe im Personenstandsregister geregelt, die im Amtsblatt vom 7. Februar 2018, Nr. 30325, auf der Grundlage von Artikel 27/A des PStG veröffentlicht wurde.
Hauptziel und Anwendungsbereich dieser Verordnung ist es, die Regeln und Grundsätze für die Eintragung von Entscheidungen über Scheidung, Nichtigkeit der Ehe, Aufhebung oder Feststellung des Bestehens einer Ehe, die von zuständigen ausländischen Justiz- oder Verwaltungsbehörden erlassen wurden, in das Familienregister festzulegen.
Wesentliche Voraussetzungen für die Registrierung des Urteils
Damit der administrative Weg der Registrierung anwendbar ist, muss die ausländische Entscheidung zwei grundlegende rechtliche Merkmale aufweisen, wie sie in der Verordnung definiert sind:
Rechtskraft (Res Judicata): Die Entscheidung muss nach den Gesetzen des Staates, in dem sie ergangen ist, rechtskräftig geworden sein (usulen kesinleşmiş). Dem Antrag muss der offizielle Rechtskraftvermerk auf der Entscheidung selbst oder ein gesondertes genehmigtes Dokument, das das Datum der Rechtskraft bestätigt, beigefügt werden.
Kein Verstoß gegen den türkischen Ordre Public: Der Inhalt der Entscheidung darf nicht in offenkundigem Widerspruch zum türkischen Ordre Public (Türk kamu düzenine açıkça aykırı) stehen. Dies bedeutet, dass die Entscheidung nicht gegen die Grundwerte, verfassungsrechtlichen Prinzipien oder wesentlichen Normen der türkischen Rechtsordnung verstoßen darf.
Die Verordnung definiert die eintragungsfähige Entscheidung wie folgt: „Entscheidungen über Scheidung, Nichtigkeit, Aufhebung oder Feststellung des Bestehens einer Ehe, die von zuständigen ausländischen Justiz- oder Verwaltungsbehörden erlassen wurden, die nach dem Recht des ausstellenden Staates formell rechtskräftig geworden sind und nicht in offenkundigem Widerspruch zum türkischen Ordre Public stehen.“
Antragsverfahren und zuständige Behörden
Die Bestimmung, wo und wie der Antrag zu stellen ist, stellt eine kritische Phase des Verwaltungsverfahrens dar.
Für den Antrag zuständige Behörden
Anträge können an folgenden Stellen eingereicht werden:
Im Ausland: Bei den türkischen Auslandsvertretungen (Botschaften oder Generalkonsulate) in dem Land, in dem die Entscheidung erlassen wurde.
In der Türkei: Bei der Provinzdirektion für Bevölkerungs- und Staatsbürgerschaftsangelegenheiten (İl Nüfus ve Vatandaşlık Müdürlüğü), in der einer der Beteiligten seinen Wohnsitz hat.
Falls keine der Parteien einen Wohnsitz in der Türkei hat, kann der Antrag bei einer der 18 in der Verordnung aufgeführten spezifischen Provinzdirektionen (z. B. Adana, Ankara, Istanbul, Izmir etc.) eingereicht werden.
Antragsmethode und Frist
Der Registrierungsantrag kann von den Parteien persönlich, durch ihre gesetzlichen Vertreter oder über einen Rechtsanwalt (vekil) gestellt werden. Eine erhebliche Erleichterung dieses administrativen Weges besteht darin, dass die Parteien nicht gemeinsam vor der zuständigen Behörde anwesend sein müssen.
Wichtige Ausschlussfrist: Obwohl die Parteien den Antrag separat zu unterschiedlichen Zeiten stellen können, darf der Zeitraum zwischen den beiden separaten Anträgen neunzig (90) Tage nicht überschreiten. Die strikte Einhaltung dieser Frist ist zwingend erforderlich, um eine Ablehnung des Antrags zu verhindern.
Für den Antrag erforderliche Pflichtdokumente
Damit der Antrag angenommen und das Prüfungsverfahren eingeleitet werden kann, müssen alle erforderlichen Unterlagen vollständig, ordnungsgemäß und formgerecht eingereicht werden. Gemäß Artikel 7 der Verordnung gehören zu den wichtigsten Pflichtdokumenten:
Antragsformular: Das offizielle Antragsformular für die Registrierung (Başvuru Formu).
Originalurteil und beglaubigte türkische Übersetzung: Das zur Registrierung beantragte, im Original genehmigte ausländische Urteil nebst einer türkischen Übersetzung, die von einem Notar oder der Auslandsvertretung beglaubigt oder mit einer von der zuständigen Behörde des Ausstellerstaates angebrachten Apostille (Apostil şerhi) versehen ist.
Rechtskraftzeugnis: Befindet sich der Rechtskraftvermerk nicht auf dem Urteil selbst, ist ein genehmigtes Originaldokument oder ein Schreiben, das die Rechtskraft der Entscheidung nach den Gesetzen des Ausstellerstaates bestätigt, nebst türkischer Übersetzung vorzulegen.
Identitätsnachweise: Fotokopien der Personalausweise oder Reisepässe der Parteien. Ist eine der Parteien ausländischer Staatsangehöriger, ist eine notariell beglaubigte türkische Übersetzung ihrer Identitätsdokumente erforderlich.
Spezialvollmacht: Bei Anträgen, die durch einen Rechtsanwalt gestellt werden, das Original oder eine beglaubigte Abschrift der von einem Notar ausgestellten speziellen Vollmacht mit Lichtbild (fotoğraflı özel vekâletname).
Mängel und Ablehnung: Antragstellern, bei denen Mängel in den Unterlagen festgestellt werden, wird eine Ausschlussfrist von neunzig (90) Tagen zur Behebung eingeräumt. Wird den Mängeln innerhalb dieser Frist nicht abgeholfen, führt dies zur Ablehnung des Antrags.
Grenzen der administrativen Registrierung: Vollstreckungsangelegenheiten
Das administrative Registrierungsverfahren unterscheidet sich von einer gerichtlichen Anerkennungs- und Vollstreckungsklage primär im Umfang der Entscheidungsbefugnis. Die zur Prüfung der Anträge eingerichtete Kommission (Komisyon) hat ein begrenztes Mandat, das sich strikt auf den Status der Eheauflösung beschränkt.
Die Verordnung bestimmt, dass die Kommission das Urteil auch dann ausschließlich hinsichtlich des Auflösungsstatus (Scheidung, Nichtigkeit etc.) annimmt und prüft, wenn das ausländische Urteil vollstreckbare Bestimmungen enthält, wie etwa zum Sorgerecht, Unterhalt (iştirak nafakası), zum Umgangsrecht mit dem Kind (kişisel ilişki kurulması), zum ehelichen Güterrecht oder zu Ausgleichszahlungen.
Entscheidend ist, dass der Beschluss der Kommission in der Türkei keinerlei Rechtswirkung hinsichtlich der vollstreckungsbedürftigen Bestimmungen (Unterhalt, Sorgerecht, Ausgleichszahlungen etc.) entfaltet.
Folglich müssen Parteien, die diese vermögens- und personensorgerechtlichen Regelungen in der Türkei durchsetzen wollen, gesondert eine Vollstreckungsklage vor den zuständigen Familiengerichten nach dem IPRG (Gesetz Nr. 5718) erheben.
Gründe für die Ablehnung des Antrags
Ein Antrag auf Registrierung wird von der Kommission unter folgenden Umständen abgelehnt:
Wenn bereits zuvor eine Anerkennungs- oder Vollstreckungsklage bezüglich des ausländischen Urteils bei einem türkischen Gericht anhängig gemacht wurde und noch rechtshängig ist, oder wenn bereits eine rechtskräftige abweisende Entscheidung eines türkischen Gerichts vorliegt.
Stellt die Kommission fest, dass die Entscheidung in offenkundigem Widerspruch zum türkischen Ordre Public steht, wird der Antrag mit schriftlicher Begründung abgelehnt.
Registrierung und Rechtsfolge
Erlässt die Kommission einen positiven Registrierungsbeschluss, hat die Auslandsvertretung oder die Provinzdirektion die Entscheidung innerhalb von sieben (7) Tagen in die Familienregister einzutragen. Mit dem Vollzug der Eintragung gilt das Datum des ausländischen Urteils als Datum der Rechtskraft in den türkischen Registern.
Rechtsbehelf gegen die Ablehnung
Wird der Antrag von der Kommission abgelehnt, sind die rechtlichen Möglichkeiten der Antragsteller nicht erschöpft. Die Verordnung stellt klar, dass den Parteien in einem solchen Fall das Recht zusteht, Klage auf Anerkennung oder Vollstreckung des Urteils vor den zuständigen Familiengerichten gemäß dem türkischen Gesetz über das internationale Privat- und Zivilprozessrecht (MÖHUK/IPRG) zu erheben.
Link zum Antragsformular
Das Antragsformular für die Registrierung von Entscheidungen über Scheidung, Nichtigkeit oder Feststellung des Bestehens einer Ehe, die von ausländischen Gerichts- oder Verwaltungsbehörden erlassen wurden, ist über die Website des Ministeriums für Inneres der Republik Türkei, Generaldirektion für Bevölkerungs- und Staatsbürgerschaftsangelegenheiten, abrufbar:
https://www.nvi.gov.tr/kurumlar/nvi.gov.tr/hizmetlerimiz/nufushizmetleri/Basvuru_%20Formu.pdf
Das durch Artikel 27/A des Gesetzes Nr. 5490 eingeführte administrative Registrierungsverfahren bietet im Ausland geschiedenen türkischen Staatsbürgern eine schnelle, praktische und kostengünstige Lösung, um ihren Personenstand in der Türkei offiziell anerkennen zu lassen. Diese Neuerung stellt im Vergleich zu herkömmlichen Gerichtsverfahren eine erhebliche Erleichterung dar.
Dennoch hängt der Erfolg des Verfahrens von der akribischen Einhaltung der formellen Anforderungen ab, wie der ordnungsgemäßen Rechtskraft des Urteils, der internationalen Beglaubigung der Dokumente (Apostille/Legalisation), der präzisen Übersetzung und der grundlegenden Einschränkung, dass auf administrativem Weg nur der Scheidungsstatus registriert wird. Da vollstreckungsbedürftige Regelungen (Sorgerecht, Unterhalt, Ausgleichsansprüche) im Wege einer gesonderten gerichtlichen Vollstreckungsklage geltend gemacht werden müssen, wird dringend empfohlen, professionellen Rechtsrat einzuholen. Die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Rechtsanwalt ist unerlässlich, um den rechtlich korrekten Weg zu bestimmen, die Vollständigkeit und Konformität des Antrags zu gewährleisten und Rechtsverluste für unsere Mandanten zu verhindern.
Haftungsausschluss
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